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In der Videoinstallation „Staub 2“ nimmt eine Videokamera Staubpartikel auf, die sich im Lichtstrahl eines Videoprojektors bewegen. Obwohl beide technischen Geräte im Raum streng aufeinander ausgerichtet sind, überträgt die Kamera die Aufnahme aber nicht 1:1. Stattdessen wird ein Negativbild dieser realen Szenerie auf einen Projektor übertragen, der wiederum dieses Bild in den Raum projiziert. Auf der Wand bewegen sich dunkel vor hellem Hintergrund mal mehr, mal weniger Staubpartikel. Für diese Verwirbelung und damit für das Erscheinen des Bildes ist der Betrachter selbst verantwortlich. Denn allein sein Auftreten im Raum verursacht unterschiedlich intensive Luftzirkulationen, die wiederum nicht nur den natürlicher Weise vorhandenen Staub in Bewegung versetzen, sondern in direktem kausalen Zusammenhang das (bewegte) Bild überhaupt entstehen lassen. Daher ist Kiessling auch kein „Bilderzeuger“ (Rolf Hengesbach) im strengen Sinne, sondern er schafft mit seiner Installation Voraussetzungen im Raum, so dass – wenn ein Betrachter hinzutritt – Bilder und damit Sichtbarkeit an sich erzeugt werden. Denn so wie die Verwirbelungen nicht ohne die körperliche Miteinbeziehung des Betrachters entstehen, wären die Staubpartikel ohne das technisch hergestellte Bild ebenfalls nicht sichtbar.
Auch wenn generell apparativ aufgezeichnete Bilder im Vergleich mit traditionellen Bildmedien sich – so die gängige Überzeugung – besonders zu einer direkten Speicherung und Wiedergabe der außerbildlichen Wirklichkeit eignen, geht es Kiessling nicht nur einfach darum zu zeigen, wie die (durchaus nicht immer offensichtliche) Wirklichkeit aussieht. Bildlichkeit meint bei Dieter Kiessling, dass eine Form von Sichtbarkeit erzeugt wird, die sich nicht nur einfach von der Sichtbarkeit normaler Gegenstände abhebt, sondern die darüber hinaus bereits in ihrer Entstehung sich selbst und ihre Wahrnehmung analysiert. Und damit eröffnet sich für den Betrachter eine doppelte Perspektive: auf die Wahrnehmung der Wirklichkeit und die Wirklichkeit der Wahrnehmung.