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Making Of – Nikola Ukić


Bei den Skulpturen von Nikola Ukić – zuletzt in der Ausstellungform folgt (2015) im PEAC Museum umfangreich präsentiert – bestimmt der menschliche Körper das Maß der Form. Dabei geht es aber nicht um die Möglichkeiten des Abbildes eines Individuums, seiner (menschlichen) Form, sondern um eine auf den Körper des Betrachters bezogene Erfahrung von Volumen im Raum.
Die daraus vielleicht schnell abgeleitete Bezeichnung des Künstlers als Bildhauer im klassischen Sinne, greift dennoch zu kurz – denn für seine plastischen Arbeiten verarbeitet er verschiedene Materialien auf unkonventionelle Weise, sodass sie nicht nur bildhauerische Themen behandeln, sondern durchaus auch malerische.

In diesem Zusammenhang wird Nikola Ukić nie von der Vorstellung einer vorab festgelegten, spezifischen Form geleitet, sondern von einer Haltung, die grundsätzlich materialimmanenten Potentialen Rechnung trägt. Besonders deutlich wird dies durch den die Grundform bestimmenden Montageschaum, sogenanntem Polyurethan, das sich im Entstehungsprozess keineswegs vollständig kontrollierbar ausdehnt. Unmittelbar nach dem Aufschäumen des mit Pigmenten eingefärbten Materials, in dafür ausgehobenen Senken im Erdboden, kann der Künstler nur noch spontan in die Materialgenese eingreifen und dies auch nur solange wie der Aushärtungsprozess noch nicht abgeschlossen ist.

Zusätzlich zu dem volumenreichen Werkstoff verarbeitet der Künstler bereits seit einigen Jahren großformatige Fotodrucke, die mit Hilfe eines Transferverfahrens unmittelbar auf die Skulpturen aufgebracht werden. Mit den komplexen dreidimensionalen Körpern verbinden sich wiederum farbige Flächen mit abstrakten Formen, die nicht nur wegen ihres Faltenwurfs einen hautähnlichen Charakter entwickeln. Zudem werden natürliche Materialien in den Entstehungsprozess integriert. Weil die Skulpturen nicht mehr ausschließlich im Atelier produziert werden, sondern im wahrsten Sinne wie „Pilze“ (Sabine Elsa Müller) aus Erdlöchern wachsen, stehen nun haftengebliebene Erd- und Gesteinsreste im bewussten Kontrast zu den künstlich bunt schillernden Oberflächen.

Im Zusammenhang mit solchen Gegensätzen bleiben ambivalente Assoziationen bei der Betrachtung nicht aus: Welches Gewicht haben die skulpturalen Arbeiten – sind sie schwer oder leicht beweglich - sind es nur Hüllen oder doch massive Formen – sind sie weich oder fest? Ukić Skulpturen verweisen so weder auf eine pikturale Illusion noch eine metaphysische Bildlichkeit, sondern auf eine Realität der Wahrnehmung von Form, Material und Farbe, innerhalb derer die Subjektivität des Betrachters durchaus respektiert wird.

Nikola Ukić, Easy Rider, 2015, Polyurethan, Pigment, UV-Drucktransfer, Erde, 105 x 134 x 178 cm. Courtesy Hengesbach Gallery, Wuppertal
Nikola Ukić, Easy Rider, 2015, Polyurethan, Pigment, UV-Drucktransfer, Erde, 105 x 134 x 178 cm. Courtesy Hengesbach Gallery, Wuppertal

Werke von Nicola Ukić bei PEAC